Impulse zur Coronakrise

05.10.2020

Das Leben genießen




„Ich habe in meinem Kopf entschieden, dass ich das Leben liebe.“ (Gerhard)



Ein Sänger im Chor hat vor einem Jahr die Diagnose erhalten: ein Tumor an der Bauchspeicheldrüse. Nach unserer letzten Probe vor dem Lockdown saßen wir beide noch bei einem Glas Wein beieinander. Er erzählte mir, dass er keine Angst vor dem Tod habe: „Die Ärzte haben mir gesagt, dass ich vielleicht noch ein paar Monate zu leben habe. Vielleicht auch ein Jahr. Mir bleibt also nicht mehr viel Zeit. Aber was soll ich machen? Ich habe mich entscheiden, das Leben zu genießen, so gut es geht. Ich gehe viel an die frische Luft, gönne mir abends ein Gläschen Wein und umgebe mich mit Menschen, die mir gut tun. Ich werde sterben. Wenn ich zurückschaue, bin ich dankbar für alles. Gerade deshalb genieße ich die mir bleibende Zeit so gut es geht.“ Dararuf haben wir beide angestoßen. Es war zum letzten Mal. Er starb während des Lockdowns.
 
Vergangene Woche haben wir mit dem Chor am Grab Abschied von ihm genommen.
 
Er ist mir zum Vorbild geworden. Er hat sich einen inneren Freiraum bewahrt und sich nicht gänzlich einnehmen lassen von der Krankheit. Er hat in seinem Kopf entschieden, das Leben zu lieben.


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