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14.07.2018

Gelassen Bleiben bei Angriffen




„Ein echter Mönch hält seinen Mittagsschlaf, auch wenn die Welt untergeht.“
(Natsume Soseki, japanischer Dichter)



Die Situation: Meine Kollegin piesackt mich     

Ich sitze Miriam, einer jungen Frau, gegenüber. Sie berichtet mir davon, dass eine ältere Kollegin sie piesackt und ständig kritisiert. Auf meine Frage hin, was das bei ihr selbst auslöse, überlegt sie: „Es frustriert mich. Ich fühle mich ihr gegenüber machtlos. Egal was sie sagt oder tut – ich sehe darin mittlerweile immer einen Angriff gegen mich. Das macht mich extrem dünnhäutig. Ich trage sie in Gedanken oft mit mir und nehme sie auch mit nach Hause. Ja, sie verfolgt mich sogar bis in meine Träume hinein…“

Was dahinter steckt

Wenn uns eine Person verletzt hat, neigen wir dazu, all das, was anschließend geschieht als weiteren Angriff zu werten. Die eigene Deutung („Sie will mich verletzen und mir zeigen, dass sie besser ist.“) führt dazu, dass man sich in eine innere Kampfposition begibt. Man sieht dann vielleicht Angriffe hinter Verhaltensweisen, die gar nicht als solche gedacht sind.

Dazu eine Geschichte: Waffe! oder Waffel?

Ein Mann kommt vermummt in eine Bank und schiebt einen Zettel zu dem Bankangestellten, auf dem steht: „Eine Waffe! ist auf Sie gerichtet!“ Er hält einen spitzen Gegenstand – es könnte eine Pistole sein – unter der Jacke, so dass es aussieht, als bedrohe er den Schalterbeamten. Dieser liest vor: „Eine Waffel ist auf mich gerichtet? Was soll das bedeuten?“ Daraufhin zischt ihm der Mann zu: „Mein Gott, eine Waffe ist auf Sie gerichtet, dies ist ein Banküberfall. Das Zeichen hinter dem Wort „Waffe“ ist ein Ausrufezeichen!“ Der Schalterbeamte stutzt, staunt und sagt: „Also guter Mann, ich kann doch lesen, hier steht: Eine Waffel ist auf mich gerichtet. Kommt doch mal herüber, Jungs, hier! Also was steht hier genau? Waffel oder Waffe?“ Der mutmaßliche Bankräuber verlässt genervt die Filiale. Der Banküberfall findet nicht statt…

 

Das Fazit

Ob wir hinter einer Verhaltensweise einen Angriff gegen uns vermuten oder nicht, ändert Vieles. Manchmal helfen Bilder – wie das des Bankräubers mit einer Waffel – um einer Situation den Stachel zu nehmen und gelassen bleiben zu können.

Miriam überlegt: „Die Geschichte vom Banküberfall gefällt mir. Wenn ich mich wieder angegriffen fühle, dann stelle ich mir die Kollegin als den Mann mit der „Waffel“ vor. Beim Gedanken daran muss ich innerlich schmunzeln.“ Die Konsequenz? Dazu Miriam: „Der gefühlte Angriff prallt ab. Ich kann gelassener bleiben. Das Beste ist aber: der Räuber ist genervt, weil sein Angriff nicht funktioniert…“