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04.08.2020

Emotional in Balance




„Eine bloße Unterdrückung der Gefühle ist ebenso wenig ein Heilmittel, wie Enthauptung gegen Kopfschmerzen.“
(C.G.Jung)



Zur Situation

„Wie es bei uns im Team zugeht? Ich drücke es einmal in einem Bild aus: Wenn wir am Tisch sitzen, dann ist es auf der Oberfläche freundlich und sachlich. Unter der Tischoberfläche hauen wir uns aber gegen das Schienbein. Es gibt Unstimmigkeiten, über die nicht offen kommuniziert wird. Aber deswegen sind sie ja nicht weg“, erzählt ein Kollege.

Was das bedeuten kann

Immer wieder hört man, dass es zugeht „wie im Kindergarten“. Die Leute sollen sich endlich erwachsen benehmen und sachlich miteinander umgehen. Man verkennt dabei, dass der „Kindergarten“ meist dadurch entsteht, dass wir nicht gelernt haben, mit unseren Gefühlen konstruktiv umzugehen. Wir kommen emotional nicht dadurch in Balance, dass wir unsere Gefühle unterdrücken und so tun, als gäbe es sie nur im Privaten. Diese Haltung führt bspw. dazu, dass die Stimmung im Team immer mehr „einfriert“. Doch dabei muss man ständig in Angst leben, dass die Gefühle unkontrolliert ausbrechen. Denn wenn sie dies tun, dann meist im falschen Moment. Und dann fühlt man sich wie im Kindergarten, weil ein Verhalten übertrieben und unangemessen erscheint.

Wie Gefühle im Alltag entstehen

Unsere Gefühle entstehen im Alltag meist durch unsere gedanklichen Bewertungen von Situationen. Wenn die Gedanken ständig um einen negativen Vorfall kreisen z.B. „Wie konnte das nur passieren?“ oder „Das ist nicht fair!“, verstärken diese negativen Gedanken die negativen Gefühle. Wenn wir uns bewusst machen, wie unsere Bewertungen von Situationen zustande kommen, können wir unsere Emotionen besser steuern. Wir können lernen, durch unsere eigene Bewertung – unserer „Wahr-gebung“ – der Situation unsere Gefühle zu regulieren.

Sie können sich also fragen:

  • Durch welche Situation wurde das Gefühl ausgelöst?
  • Welche Gedanken über die Situation gehen mir durch den Kopf?
  • Wie fühle ich mich dadurch? Ängstlich, froh, traurig, wütend oder nicht ok?
  • Wie würde ich mich in der Situation fühlen, wenn die Gedanken dazu in meinem Kopf nie existiert hätten?
Wie kann man emotionale Balance erreichen?

Gefühle sind eine Realität. Wie kann man mit ihnen konstruktiv umgehen? Einige Ideen hierzu:

  • Gefühle sind das Salz in der Suppe des Lebens. Ein Leben ohne Gefühle ist im besten Fall langweilig. Deshalb ist es wichtig, sich die eigenen Gefühle zuzugestehen.
  • Gefühls sind da. Sie sind eine Realität. Der Weg zu emotionaler Balance ist das Durchfühlen von dem, was an Gefühlen da ist. Um Ihre aktuelle Stimmung zu erkennen, können Sie die Basisemotionen durchgehen und prüfen, welche Ihrer Gefühlslage am nächsten kommt. Sie können sich den Satz sagen: „Ich fühle mich ängstlich/ froh/ traurig/ wütend/ nicht o.k., weil …“ um sich mit Ihrem Gefühl zu verbinden. Es kann geschehen, dass Erinnerungen auftauchen, die zu dem Gefühl passen. Dies gehört zum Prozess des Verarbeitens. Schauen Sie sich diese Bilder an und bleiben Sie mit Ihrer Aufmerksamkeit beim Gefühl.
  • Um in der akuten Situation seine Gefühle einigermaßen zu regulieren, kann es helfen, die Aufmerksamkeit zu verlagern. Sie können Ihren Geist beruhigen, indem Sie die Aufmerksamkeit auf Ihre Füße richten (das erdet) oder durchatmen und innerlich zählen. („Bist du wütend, so zähle bis vier. Hilft das nicht, dann explodier.“ W. Busch 😉
  • Sport ist ein hervorragendes Ventil bei Stress. Und negative Emotionen verursachen oftmals zusätzlichen Stress. Bewegung – besonders, wenn sie den Puls steigen lässt – hilft dabei, negative Energien zu „verbrennen“.
  • Sie haben starke Gefühle? Wo gibt es konkret etwas zu klären? Wenn wir Gefühle nicht dort platzieren, wo sie entstanden sind, lassen wir sie gerne an den Falschen aus (Partner, Kinder…) oder wir verfallen ins Grübeln.
  • Wir können unsere Gefühle nicht immer kontrollieren. Ein erwachsener Umgang mit den Gefühlen gelingt dann, wenn man bspw. nach einem emotionalen Ausbruch nochmals das Gespräch sucht und sich entschuldigt: „Neulich bin ich explodiert. Das tut mir leid. Nehmen Sie es bitte nicht persönlich. Es lag daran, dass ich mich ungerecht behandelt gefühlt habe. In solchen Fällen stecke ich in meiner Haut und kann manchmal nicht anders.“
  • Verschiedene Entspannungstechniken tragen dazu bei, Emotionen wie Wut, Nervosität oder Angst zu regulieren.
  • Geben sie dem Ausdruck Ihrer einzelnen Gefühle einen Ort, eine Zeit, eine Form. Wo können Sie trauern? Was hilft Ihnen, Ihre Wut zu verarbeiten? Wie gehen Sie mit der Angst um?


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