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20.09.2018

Vertrauen in den Anderen




„Geduld ist das Vertrauen, dass alles geschieht, wenn die Zeit dafür reif ist.“



Die Situation: Ich möchte so gerne helfen       

„Er macht sich so viele Gedanken und Sorgen über das Leben. Es macht mich fast wahnsinnig zu sehen, wie schlecht es ihm dadurch geht.“, erzählt Monika. „Ich sage ihm immer wieder: `Mach dir doch nicht so viele Gedanken!`“ – „Und, bewirkt das etwas?“, frage ich sie. „Ehrlich gesagt? Nein… Aber es bringt doch auch nichts, wenn er sich so viele Sorgen macht. Ich meine es doch gut mit ihm!“

Was dahinter steckt

Selbst wenn wir den Anderen dazu bringen wollen, dass es ihm besser geht, lautet unsere Grundbotschaft: „Ändere dich! Mit dir stimmt etwas nicht!“ Das bewirkt oft das Gegenteil des gewünschten Effektes, denn wir signalisieren dem Anderen, dass er nicht in Ordnung ist. Dies setzt den Anderen entweder unter Druck oder löst einen Widerstand in ihm aus, weil er sich bevormundet fühlt.

Dazu eine Geschichte: Die Schildkröte

Ein kleiner Junge, der auf Besuch bei seinem Großvater war, fand eine kleine Landschildkröte und ging gleich daran sie zu untersuchen. Im gleichen Moment zog sich die Schildkröte in ihren Panzer zurück und der Junge versuchte vergebens sie mit einem Stöckchen herauszuholen. Der Großvater hatte ihm zugesehen und hinderte ihn daran, das Tier weiter zu quälen.

„Das führt offensichtlich nicht zu deinem gewünschten Erfolg“, sagte er, „komm‘ ich zeig‘ dir wie man das macht.“

Er nahm die Schildkröte mit ins Haus und setzte sie auf den warmen Kachelofen. In wenigen Minuten wurde das Tier warm, steckte seinen Kopf und seine Füße heraus und kroch auf den Jungen zu.

„Menschen sind manchmal wie Schildkröten“, sagte der Mann. „Versuche niemals jemanden zu zwingen. Wärme ihn nur mit etwas Güte auf und er wird seinen Panzer verlassen können.“ (überliefert)

 

Das Fazit

„Puh…“ seufzt Monika. „Es fällt mir schwer zu akzeptieren, dass er sich Sorgen macht. Aber ich verstehe, dass ich ihn zu etwas bewegen möchte, zu dem er – noch – nicht bereit ist und dass ich dadurch den Druck auf ihn erhöhe.“

Anthony de Mello berichtet davon, dass die ständige Grundbotschaft an ihn lautete: „Ändere dich!“ So sehr er sich auch bemühte: es gelang ihm nicht. Bis ein Freund zu ihm sagte: „Für mich muss du dich nicht ändern.“ Und dann geschah das Wunder: Er wurde gelassener und änderte sich…

(aus: Wo das Glück zu finden ist)